Null Toleranz für FARTs!

(FARTs: Feminist Appearing Radical Transexclusionists)

Im Zuge unserer Vorbereitungen für das Frühjahrstreffen gab es einen unschönen Mailkontakt, den wir als Vorbereitungsteam nicht unkommentiert lassen wollen. Eine Person schrieb uns per Mail an, wie die FLINTA*-spaces während des Treffens denn gemeint seien. Es stellte sich sehr schnell heraus, dass die Person keinerlei Hehl aus ihrer transfeindlichen Einstellung machte und exklusive Räume für cis Frauen forderte. Dazu wollen wir uns nochmal öffentlich klar und deutlich positionieren: 

Als Befreiungstheologisches Netzwerk versuchen wir möglichst hierarchiekritisch, barrierearm und inklusiv, Menschen zum Nachdenken über die Verbindung zwischen Theologie(n) und Politik einzuladen. Dazu gehört auch die Gestaltung der Räumlichkeiten, wenn wir uns gemeinsam vor Ort treffen: Unter anderem haben wir uns für AllGenderWelcome-Toiletten und -Duschen, die für jeden Menschen – unabhängig vom Geschlecht – passend sind, entschieden. Daneben gibt es diese Räume explizit für FLINTA* Personen. Wir versuchen so, Safer Spaces zu kreieren – damit Menschen sich bei uns wohl und möglichst sicher fühlen können.

Dazu gehört es, sich damit auseinander zu setzen, was für Vorurteile, Annahmen und diskriminierende Denkstrukturen uns selbst und auch unsere Gesellschaft prägen. Wir sind alle Lernende und machen Fehler, aber wir werden transphobe Äußerungen nicht tolerieren. Außerdem wird es bei uns keine Räume geben, in denen queere, inter und trans Menschen sich – wie so oft in unserer Gesellschaft – fragen müssen, ob sie willkommen sind. Im Gegenteil – wer aus einer privilegierten Position heraus nicht bereit ist, sich selbst und die eigenen Annahmen zu hinterfragen; wer nicht bereit ist, die Kontinuität von Ausschlüssen gegenüber Queers mitzudenken; wer nicht bereit ist, die eigenen Identitäten und Positionen anfragen zu lassen – der*die hat bei uns nichts zu suchen!

Wer mehr dazu erfahren möchte, dem*der sei Felicia Ewerts Buch „Trans. Frau. Sein. Aspekte geschlechtlicher Marginalisierung“ ans Herz gelegt. Hierin macht sie deutlich, dass der Verweis von cis Frauen auf exklusive cis Räume – welcher uns in der Mailanfrage begegnet ist – unter den „vorsätzlichen Ausschluss“ von Queers fällt: 

„Neben dem Verweis auf die vermeintliche biologische Begründbarkeit von Geschlecht, werden mitunter die Umkehr des Opfer-Täter*innen-Verhältnisses betrieben. Hiernach werden amab [assigned male at birth, Anmerkung vom Vorbereitungsteam] trans Personen als gewaltsame Eindringlinge in Schutzräume für Frauen dargestellt. Ein Ausschluss wird somit durch Selbstschutz begründet. Doch auch darüber hinaus entstehen gemäßigter erscheinende Mittel, um den Ausschluss von trans Weiblichkeiten zu begründen. Diesbezüglich kam ich auf die verstärkter auftretende Form der Exklusion aufgrund von Sozialisation zu sprechen. Hiernach wird also eine Begründung herangezogen, wonach trans Weiblichkeiten keine weibliche, sondern eine männliche Sozialisation erfahren. Dieser Schluss wird daraus gezogen, weil ihnen „wohlwollend“ gesprochen das Geschlecht „männlich“ zugewiesen und sie demnach entsprechend „männlich“ geprägt wurden. Das dies im krassen Widerspruch zum tatsächlichen Erleben von trans Weiblichkeiten steht wird bewusst übergangen. Diese Perspektive auf den Begriff der Sozialisation ist sehr eingeschränkt, nämlich von Cissexismus dominiert.“ [S. 110]                                   

Die Notwendigkeit von Frauen- und/oder FrauenLesben-Räumen in einer patriarchalen Gesellschaft ist für uns unbestritten. Aber gerade der Ausschluss von trans Frauen und trans fem* Personen aus diesen Räumen ist eine Reproduktion patriarchaler Gewalt. 
Diese tolerieren wir nicht!